Dein Wille geschehe? Mein Wille geschehe?

Emma: Was ist zu tun? Harriett: Muss denn etwas getan werden?
Emma, Romanheldin von Jane Austen und junge Frau im 19. Jahrhundert, versucht Menschen in ihrem Umfeld zu verkuppeln – nach Emmas eigenen Vorstellungen. Das Blatt scheint sich nach dem erfolglosen Versuch, ihre Freundin Harriet an den Mann zu bringen, zu wenden, allerdings so gar nicht in Emmas Sinne: Emma erkennt, dass sie in Mr. Knightly verliebt ist, als ihr Harriett von ihrer eigenen Zuneigung zu Mr. Knightly erzählt. Harriett glaubt, dass er ihre Liebe erwidert. Emma ist verzweifelt, denn ihr wird bewusst, dass sie ihn ganz für sich alleine haben will. In einer Verfilmung folgt darauf der anfangs genannte Wortwechsel.
Das heutige Evangelium hat mich an diese Szene erinnert. Hier haben auch die Pharisäer und Hohen Priester ihre eigenen Vorstellungen (vom Wirken Gottes) und fragen: „[…] Was sollen wir tun? Dieser Mensch [Jesus] tut viele Zeichen. Wenn wir ihn gewähren lassen, werden alle an ihn glauben.“
Sie beanspruchen die Deutungshoheit über Gott und die Auslegung der Schrift für sich alleine. Sie wollen sie nicht an Jesus abtreten oder mit ihm teilen. Sie haben Angst, von den Römern, der Besatzermacht entmündigt zu werden, wenn sie Jesus gewähren lassen. In diesem Moment der Bedrohung ihrer Rolle und der damit verbundenen Sicherheit, Ansprüche und Privilegien stellen sowohl Emma als auch Pharisäer und Hohe Priester die Frage: „Was sollen wir tun?“ Harriet bricht den darin versteckten Egoismus mit ihrer Naivität auf, indem sie zurückfragt: „Muss denn etwas getan werden?“
Während Emma zuvor in alle Richtungen intrigiert hat, wird ihr nun bewusst: Liebe und Freundschaft können nicht erzwungen und manipuliert werden, sie dürfen auch nicht zerstört werden. So hofft und bangt sie, versucht aber nicht, Harriet von deren Hoffnungen abzubringen. Die Pharisäer wiederum wollen die Situation unter ihre Kontrolle bringen und planen, Jesus zu töten.
Für mich wirft das die Frage auf, in welchen Situationen ich die Welt nur aus meiner Perspektive sehe und mich neuen Möglichkeiten verschließe. Wo versuche ich mit Worten und Taten meinen Willen zu erzwingen, anstatt Alternativen zuzulassen und darauf zu hoffen, dass auch außerhalb meiner gewohnten Vorstellungen etwas Gutes werde kann?
Maria Teresa Heck, Pädagogische Referentin, Jugendkirche Trier
