Feiern brauchen einen Anlass...

Gerade sind die Sommerferien in Rheinland-Pfalz zu Ende gegangen. Schüler kehren zurück in die Klassenzimmer, Erwachsene an ihre Arbeitsplätze. Es gibt unterschiedliche Arten, wie man die Ferien verbringen kann. Hatten Sie Ferien? Wie haben Sie die freie Zeit genutzt? Der Philosoph Josef Pieper kennt 1947 zwei Arten der Freizeit. Er spricht von einer „bloßen Arbeitspause“. Sie kann unterschiedliche lang sein und dient dazu, die Arbeitskraft wiederherzustellen. Sie gehört zur Arbeitswelt.
Vielleicht sind seine Überlegungen zur zweiten Art heute wichtiger denn je: Die Muße dient nicht nur dazu, sich von der Arbeit zu erholen. Sie ist Selbstzweck. Sie wird um ihrer selbst willen genossen, etwa für „Musik“ oder „Kunst“ oder zum „Nachdenken“. Interessant ist, dass sogar das deutsche Wort „Schule“ sich vom griechischen Wort für „Muße“ abgeleitet ist. In der Schule geht es also ursprünglich um Menschsein und Bildung – als Wert an sich.
Pieper betont, dass Muße ihren tiefsten Sinn in der Feier findet, wie es im deutschen Wort „Feierabend“ anklingt. Dort verbinden sich Gelassenheit, Mühelosigkeit und Tätigkeit jenseits bloßen „Funktionierens“. Feiern brauchen aber einen Anlass, sonst sind sie künstlich und leer oder bleiben ohne tiefere Bedeutung. Der Kult braucht Wurzeln in der Kultur und prägt sie so.
Das Judentum und das Christentum sehen einen Tag der Arbeitsruhe vor. Warum? „Nun, der Sinn der Arbeitsruhe ist kultisch.“, fasst Pieper den Sinn der Sonntagsruhe zusammen und fährt dann fort: „Und für Christen ist auch dieses selbstverständlich: dass es, post Christum, nur noch eine wahre und letztgültige Gestalt kultischer Feier gibt, die sakramentliche Opferhandlung der christlichen Kirche.“ Ein klares Plädoyer für Eucharistiefeier am Sonntag - aus philosophischer Sicht! Was fangen wir heute mit seinen Gedanken an? Was bedeutet für uns der Gegensatz von „Muße“ und „Pause“ und die Verbindung von „Muße“ und „Kult“?