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Zuschauer der eigenen Existenz bleiben

Das Leben selbstständig gestalten...
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Datum:
30. Jan. 2026
Von:
Markus Göbel

Kinder und Jugendliche wollen es werden, Erwachsene bestehen darauf es zu sein und ältere Menschen hoffen es möglichst lange zu bleiben: selbstständig! Die Lebensalter unterscheiden sich also vielleicht vom Blickwinkel her, das Grundanliegen ist und bleibt das gleiche: der Mensch will nicht nur „Zuschauer der eigenen Existenz bleiben“, sondern sein Leben gestalten – und zwar am besten immer selbst und vor allem ständig.

Jesus hatte dafür Verständnis und predigte eine Grundhaltung, die uns genau dabei helfen kann: „Kehrt um!“ (Mk 4,17). Gemeint ist nicht ein Richtungswechsel wie im Straßenverkehr, den das Navi durch „Bitte wenden!“ ansagt, vielmehr geht es um ein wirkliches Umkehren des bisherigen Denkens, ein Umdenken, eine Neuausrichtung unseres Denkens.

Umzukehren, um ‚neu zu denken‘ ist aber eine Haltung, die wir eigentlich schon ständig in die Tat umsetzen. Etwas liegen lassen, um sich anderen oder anderem zuzuwenden, ist uns Menschen nämlich zu tiefst zu eigen: ob es Ängste und Garantien sind, die wir für ein freies und frohes Leben hinter uns lassen; ob es die Verschwendung von Zeit ist, die wir gegen eine gesunde Work-Life-Balance eintauschen; ob es Verzichte sind, die wir für den Traumberuf auf uns nehmen; ob es das Aufgeben von eigenen Bequemlichkeiten und einem liebgewonnenen Lebensrhythmus ist, um eine Familie zu gründen und Kindern das Leben zu schenken; … Umkehren, um ‚neu zu denken‘ können wir tagtäglich.

Bei Jesus ist es nicht anders: Liegen lassen, um ihm nachzufolgen ist nicht nur gängige Praxis, sondern wirkliche Voraussetzung für ein Leben mit ihm an der Seite. Papst Franziskus hat einmal sehr treffend beschrieben, dass das aber eine Entscheidung und ein Umdenken erfordert: „Wenn man nicht den Mut findet, sich auf den Weg zu machen, besteht die Gefahr, Zuschauer der eigenen Existenz zu bleiben und seinen Glauben nur halbherzig zu leben“ (Papst Franziskus, 27.I.2023).

Eigentlich trifft das doch ziemlich gut auf unser ‚selbstständiges‘ Leben zu, denn wer will schon „Zuschauer der eigenen Existenz bleiben“!?

Heiko Gaub

Diakon